Die Orgel

Graue Vorzeit und erste Überlieferung

Am östlichen und südöstlichen Abhänge des Lindhoops liegen zahlreiche Hünengräber und legen davon Zeugnis ab, dassdie Geschichte des Dorfes Kirchlinteln weit in die graue Vorzeit zurückreicht, in jene Frühzeit menschlicher Geschichte, über die kaum jemals sichere Kunde zu erlangen ist. Diese Gräber sind wahrscheinlich schon 1817 sämtlich untersucht worden, ohne dass uns, leider, ein Bericht darüber erhalten ist, denn auch spärliche Funde an Urnen, Waffen und Geräten könnten uns noch vieles vom Treiben derer berichten, die in vorgeschichtlicher Zeit hier siedelten.

Eines aber dürfen wir, auch wenn wir sonst kaum etwas wissen, aus der Existenz der Gräber schließen, und so entreißen wir ihrem Schweigen dennoch eine Kunde, dass die Menschen, die sich, vor Tausenden von Jahren hier ansiedelten, die Stelle für die Anlage einer Siedlung für sehr günstig hielten, sei es, dass die sehr geschützte Lage sie lockte, oder dass schon damals, wie es noch heute ist, viele Wege aus den östlich gelegenen Geestsiedlungen hier zu einem Knotenpunkt zusammenliefen und sich zu einer gemeinsamen Straße nach Westen hin vereinigten, zu Aller und Weser, sei es auch, dass diese Bewohner darüber hinaus ein Empfinden hatten für die besondere landschaftliche Schönheit dieses Fleckchens Erde und seiner näheren Umgebung.

Die erste sichere Nachricht aus geschichtlicher Zeit finden wir in einer Urkunde aus dem Jahre 1123. Der Bischof Dithardus von Verden tauschte ein ihm gehörendes Gut gegen ein Gut in „Lintloh" ein, das einer Frau Gisela, der Gemahlin des Herrn Walo, gehörte. Der Vertrag wurde in Geenwart des Verdener Vogtes, des Herzogs Ludger von Sachsen, geschlossen. Der Name der Siedlung war also „Lintloh", und noch heute, nach fast 1000 Jahren, sind die Linden um die Kirche und die Lindenalleen an den Straßen besonders schöne und lebendige Wahrzeichen des Ortes und machen seinem Namen alle Ehre. Lintloh hieß der Ort bis vor 100 Jahren, urkundich belegt ist im 17. Jahrhundert auch der Name „Kerklintloh", erst 1852 wurde offiziell der Ort im Gegensatz zu seinem Nachbarn und kleineren Bruder „Lüttjen Linteln", heute Klein-Linteln, Groß-Linteln oder auch Kirchlinteln genannt. 1897 wurde dann der Name endgültig festgelegt auf Kirchlinteln.
Eine Kirche stand vielleicht schon zur Zeit der oben erwähnten Urkunde aus dem Jahre 1123, wenn auch die Kerke to Lintloh selbst erstmalig in einer Urkunde erwähnt ist, die der Verdener Bischof Johann II. dem Grafen Otto zu Hoya 1385 ausstellte. Der jetzt noch stehende kraftvolle Turm der früheren Kirche weist jedenfalls für sachkundige Augen seinen Baumerkmalen nach wenigstens in die Zeit um 1200, in die Zeit des Überganges des romanischen Baustiles in den gotischen, vielleicht sogar, auch hierfür glaubt man Merkmale gefunden zu haben, in die Zeit um 1100. Der Ort muss also schon damals eine gewisse Bedeutung gehabt haben.

Die Kirche wurde von Verden aus gegründet, war dem Apostel Petrus geweiht und war eine Patronatsstelle von St. Andreas, während der Dom und St. Johannis im Orte Meierrechte hatten. Von St. Andreas aus wurde die Kirche bis zum Jahre 1550 mit Vikaren versorgt, dem berühmten Jahre des Augsburger Religionsfriedens, dann wurde sie selbstständig und hatte eigene Geistliche. Wir stehen damit schon in der Zeit der "Reformation.

Erneuerung der Kirche aus Gottes Wort
Seit dem Jahre 1517, als Dr. Martin Luther die 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg schlug, nahm die Reformation ihren Siegeslauf durch die deutschen und die europäischen Lande. 1522 noch ließ der Verdener Bischof Christoph den ev.-luth. Pastoren Joh. Bornemacher von St. Remberti in Bremen, der nach Verden gekommen war, um die Stadt für die reine Lehre des Evangeliums zu gewinnen, gegen den Willen der erregten und aufständischen Bürgerschaft verbrennen. Doch bereits der Welfe Georg, der von 1558—1566 Bischof von Verden war, neigte zum lutherischen Glauben und führte 1563 die Bremer evangelische Kirchenordnung in Verden ein, aber erst im Jahre 1568 wurde die Reformation in Verden durch einen lutherischen Gottesdienst im Dom öffentlich eingeführt und wohl im gleichen Jahre wandte sich auch Lintloh unter seinem ersten Seelsorger, der als Pastor dort wirkte, mit Namen Hinrich Brothenke, der Reformation zu.

Die Namen der Pastoren, die seit der Reformation in Kirchlinteln wirkten, sind lückenlos erhalten.
Es sind dies:
1555 - 1573 Hinrich Brothenke
1573 - 1604 Hinrich Hoyer alias Hasselbusch
1604 - 1618 Hinrich Haadker
1619 - 1640 Johann von Sandbeck
1640 - 1654 Werner Erich Oporin
1654 - 1669 Hinrich Busch
1669 - 1677 Peter Säbel
1678 - 1682 Adolph Russ
1683 - 1705 Valerius Oeseri
1706 - 1727 Johann Büter
1728 - 1763 Georg Christoph Heinrich Wehland
1763 - 1785 Johann Philipp Minder
1786 - 1796 Ernst Georg Hornbostel
1797 - 1815 Konrad Christian Christoph von Hanffstengel
1816 - 1850 Nikolaus Goldbeck
1852 - 1894 Hein Mählmann
1894 - 1911 Karl Emil Ludwig Wilhelm Rüppell
1911 - 1925 Theodor Gustav Julius Heintze
1925 - 1946 Theodor Seebo
1946 - 1951 Karl Friedrich Johannes Weber
1951 - 1960 Erich Mohrmann
1960 - 1980 Heinrich Wolter
1980 - 1992 Hermann Rathjens
1992 - 2002 Amely Lißner
2002 - 2008 Wilhelm Wippermann
seit 2008 Anja Niehoff


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